Wehlauer Heimatbrief 3.Folge 1970
Die Geschichte des Landkreises Grafschaft Hoya . . .
zur Verfügung
gestellt von Kreisoberrat Engelke
Die Grafschaft Hoya als politisch-geographisches Gebiet entstand während
der Regierungszeit Karl des Großen. Das Land um Hoya an der Weser war
der
Largau, der von dem Frankenkaiser zur Grafschaft erhoben wurde.
Wer die
ersten Verwalter der neuen Grafschaft waren,
ist nicht nachweisbar.
Bald aber wurde das Geschlecht der Stumpenhausen aus Wietzen als Gaugrafen
eingesetzt. Diese führten als Hoheitszeichen das Wappen ihres Stammhauses,
die Bärenklauen, die heute noch im Wappen des Landkreises Grafschaft Hoya
enthalten sind und residierten - etwa ab 1200 - im Hoyaer Schloß, das als
starke
Wasserburg auf dem rechten Weserufer lag.
Im Jahre 882 wurde bei Hoya das Stift Bücken von Erzbischof Rembert von
Bremen gegründet; dort entstand in der Folgezeit der weit über unsere
Grenzen bekannte und kulturgeschichtlich bedeutsame Bücker Dom, dessen
zwei Türme weithin das Land der Wesermarsch und der Vorgeest beherrschen.
Der romanische und gotische Bau, dessen Triumphkreuz und Flügelaltar mit
reichem Schnitzwerk Kunstwerke von erheblicher Bedeutung darstellen, gehört
zu den schönsten Bauwerken unseres niedersächsischen Landes.
Als Kaiser
Friedrich I. Barbarossa im Jahre 1180 sämtliche Lehen Heinrichs
des Löwen
für selbständig erklärte, wurde die Grafschaft Hoya reichsunmittelbar.
Seitdem nannten sich die Grafen „von Hoya".
Der Name „Hoya" kommt von ,,hogeU - hoch. Die Gründung des Ortes
Hoya
reicht bis in jene Zeit zurück, als unsere Heimat von dem germanischen
Stamm der Angrivarier besiedelt wurde. Am 25. Februar des Jahres 1582 starb,
52 Jahre alt, Otto VIII., Graf von Hoya und Bruchhausen. Dieser letzte Graf
von Hoya hinterließ keinen legitimen männlichen Erben. Seine Schwester, die
Gräfin Anna von Hoya, leitete zu jener Zeit, und zwar bis zum 20. November
1585, als Äbtissin das noch heute bestehende adelige Damenstift bei der
Stiftskirche in Bassum. Auf der im Jahre 1803 entdeckten Grabplatte der
Äbtissin Gräfin Anna von Hoya, die sich in der Stiftskirche in Bassum
befindet, ist zu lesen, daß „die wohlgeborene
Fräulein Anna, die letzte
des uralten gräflichen Stammes Hoya und Bruchhausen-
Vilsen", im Alter
von 53 Jahren verstarb.
Das Hoyaer Land fiel - nach fast vierhundertjähriger selbständiger
Herrschaft
der Grafen von Hoya - im Erbwege an das Welfenhaus
Braunschweig-
Lüneburg, bei dem es bis 1866 verblieb. Mit der Aufhebung
des Königreiches
Hannover wurde die Grafschaft Hoya ein Teil der
preußischen Provinz Hannover.
Die neue Provinzialordnung für die Provinz
Hannover, die 1885 zusammen
mit der Kreisordnung für die Provinz Hannover
in Kraft trat, löste die bisherige
hannoversche Verwaltungs-Organisation,
besonders die hannoversche Amtsordnung vom 10. Mai 1859 ab. An die Stelle
der bisherigen „Landdrostei" trat
der preußische „Regierungsbezirk. Für
die untere Verwaltungsinstanz wurde
der Landkreis geschaffen. Aus der
Vereinigung der früheren königlich-hannoverschen Ämter Freudenberg und Syke
entstand der Landkreis Syke. Die
Ämter Bruchhausen-Vilsen und Hoya wurden
zum Landkreis Hoya zusamrnengefaßt.
II.
Im Zuge der preußischen Verwaltungsreform von 1932 wurden die
Landkreise
Hoya und Syke am 1. Oktober 1932 zum „Landkreis Grafschaft
Hoya"
vereinigt. Dieser umfaßt 120 000 Hektar und vereinigt in seinen
Gemeinden und ,
Samtgemeinden (vier Städte) heute rund 115 600 Einwohner.
Die Vorteile dieser
Gebeitsreform von 1932 ergaben eine stärkere
Verwaltungskraft des Landkreises.
Diese wirkt sich für die
Gesamtbevölkerung noch heute positiv aus.
Schon in den ersten drei
Jahrzehnten dieses Jahrhunderts wurde eine kräftige
und vorausschauende
Kommunalpolitik betrieben.
Der Landkreis Grafschaft Hoya ist in seiner
wirtschaftlichen Struktur als
Stadtrandkreis der Freien und Hansestadt
Bremen ein bedeutungsvoller kommunalpolitischer Gemeindeverband, der auch in
der Zukunft nicht nur lebensfähig bleiben wird, sondern auch aus vielen
Gründen für Bremen ein unentbehrliches Hinterland darstellt.
Seit der Neuwahl des Kreisvertreters und Vorstandes der
Kreisgemeinschaft
am 6. Juli 1968 in Homfeld, Kreis Grafschaft Hoya, und
dem am folgenden
Sonntag stattgefundenen Hauptkreistreffen in Syke, tagte
der Kreisausschuß
am 30. 11. 1'68, 7. 2. 1969 und 31. 7. 1969. Der
Patenkreis hatte für jede
Arbeitstagung einen anderen Ort in der
Grafschaft Hoya ausgewählt. Die
Schwerpunkte der zur Beratung anliegenden
Gebiete lagen auf: Jugendarbeit,
Chronik und Schaffung eines
Heimatbriefes.
Der Kreisvertreter hat in der Berichtszeit an fünf
Arbeitstagungen der Ostpreußischen Landsmannschaft teilgenommen.
Er führte kleinere Wehlauer- Treffen am 19. Oktober 1968 in Wiesbaden mit
gutem Besuch, am 27. Oktober 1968 in Herne bei einer Teilnehrnerzahl von
rund 100 Teilnehmern und am 13. April 1969 ein leider weniger besuchtes
Treffen in Stuttgart durch. Am 24. August trafen sich Berliner, wobei
Landsmann Schenk eine Reihe Tapiauer Dias vorführte.
Das Bundestreffen in Essen blieb von Wehlauern wenig besucht. Für das im
Herbst 1968 vorgesehene Jugendtreffen waren bedauerlicher Weise nur sechs
Teilnehmeranmeldungen erfolgt und mußte daher ausfallen.
Die
Bilddokumentation aus dem Kreis Wehlau ist erfolgreich gestartet.
Fräuleni Dora Birkholz stellte das Album für Wehlau und Umgegend zusammen,
ein zweites ist angelegt. Auch das Album Tapiau, das Landsmann Schenk
anlegte,
ist gefüllt und das zweite füllt sich mit Fotos der umliegenden
Dörfer und
Güter. Darüber hinaus verfügt die Kreisgemeinschaft über rund
1000 Dias.
Das sehr gut besuchte Hauptkreistreffen am 30. August 1969 in
Hamburg
brachte mit einer Schau Modelle aus Wehlau und Ostpreußen,
besonders aber
ein nachgeschaffenes Gemälde des Großen Kurfürsten, dessen
Original im
Wehlauer Rathaus hing, den Besuchern des Treffens viel
Freude.
Herr Pfarrer Hugo Linck, vormals Wehlau, der die Festrede hielt, stimmte
seine Rede ganz auf das Gemälde ab und schlug die Hörer mit seinen
Ausführungen in Bann. Am Vortage war der Kreistag und Kreisausschuß zu einer
gemeinsamen
Sitzung zusammengetreten. Die Arbeit an der Chronik
(Heimatbuch) macht gute
Fortschritte, wie die drei Herren, die mit den
Geschichten der Städte Wehlau,
Tapiau und Allenburg betraut sind,
berichten konnten. Es fehlen die Mitarbeiter
für bestimmte
Spezialgebiete, wie U. a. die Flora des Kreises Wehlau.
Es wurde beschlossen dem Jagdmuseum in Lüneburg ein
Unterstützungsbeitrag
von jährlich 30,- DM zu zahlen. Ebenso genehmigte
der Kreistag einen
Zuschuß an die Traditionsgemeinschaft ostdeutscher
Leichtathleten. Ferner
wurde eine Satzungsänderung beschlossen und einen
Kreisältesten, der die
Wahlen zum Kreistag und Kreisausschuß vorbereiten
und durchführen soll, zu wählen. Die Wahl fiel auf Landsmann Meitsch,
Sanditten. Nachzuholen ist, daß auf der Kreistagssitzung am 30. August 1969
Frau Voss den Kassenbericht erstattete. Die Kassenprüfer Frau Pöpping und
Herr Romeike hatten keine Beanstandungen zu machen, worauf Pfarrer Froese
die Entlastung der Kasse und des Vorstandes beantragte, die der Kreistag
einstimmig erteilte.
Zu der am 31. 7. 1969 in Syke stattgefundenen Arbeitstagung des
Kreisausschusses
und Vertretern des Patenkreises waren die Bürgermeister
der
Städte Syke, Hoya und Bassum erschienen. Sie bekundeten, daß ihre
Städte
die Patenschaften für Wehlau, Tapiau und Allenburg übernehmen
wollen. Die
jüngste Stadt des Patenkreises Twistringen ist bereit die
Patenschaft über eine
größere Dorfgemeinde zu übernehmen. Die
Patenschaftcverhältnisse sollen
zwischen Syke-Wehlau, Bassum-Tapiau,
Hoya-Allenburg geschlossen werden.
Bereits am 31. Oktober 1969 besuchten
die Herren Schenk, Krepulat und
John die Stadt Bassum, wo sie vom
Stadtdirektor und Bürgermeister zu einer
Vorbesprechung empfangen wurden.
Auf einer der nächsten Ratssitzungen
solle der Beschluß über die Aufnahme
des Patenschaftsverhältnisses für Tapiau
herbeigeführt werden.